
Über mich
Ich weiß, wie es sich anfühlt, sich selbst zu verlieren.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll… vielleicht da, wo ich selbst noch gar nicht verstanden habe, dass mein Körper mir eigentlich schon längst etwas sagen wollte.
Ich war 11, als meine Periode angefangen hat. Und ehrlich? Ich habe sie von Anfang an gehasst. Dieses jeden Monat wieder, diese Schmerzen, dieses Gefühl, dass mein Körper einfach macht, was er will und ich nur irgendwie hinterherkomme. Damals hieß es dann relativ schnell: Zysten an den Eierstöcken, hormonelles Ungleichgewicht. Und die Lösung war auch direkt klar. Die Pille. Mit 13. Ich habe das einfach gemacht. Nicht, weil es sich gut angefühlt hat, sondern weil man darauf vertraut, dass die Ärzte schon wissen, was sie tun.
Vier Jahre habe ich sie genommen. Und irgendwann gemerkt, dass es mir damit nicht besser geht. Eher im Gegenteil. Also habe ich sie wieder abgesetzt. Und ab da fing dieses Chaos an, das man ganz schwer erklären kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Mein Zyklus war einfach… unberechenbar. Mal kam er, mal nicht. Mal früher, mal viel zu spät. Und jedes Mal, wenn ich versucht habe, Antworten zu bekommen, kam wieder genau das: „Dann nehmen Sie doch einfach wieder die Pille.“ Und irgendetwas in mir hat sich dagegen gewehrt. Ich wollte nicht einfach irgendetwas unterdrücken. Ich wollte verstehen, warum mein Körper so reagiert.
Aber genau dafür war irgendwie kein Platz.
Und so lief das eine ganze Zeit. Bis zu diesem Moment, der sich bis heute eingebrannt hat. Ich war in meiner Ausbildung, ganz normaler Tag, nichts Besonderes… und plötzlich hatte ich das Gefühl, mein Körper verliert komplett die Kontrolle.

Mir wurde heiß, aber nicht so ein bisschen, sondern so, dass mir der Schweiß wirklich in Strömen runterlief. Mein Herz hat angefangen zu rasen, ich hatte Herzstolpern, und ich wusste überhaupt nicht, was da gerade passiert. Ich bin ins Bad gelaufen, habe versucht, mich irgendwie zu beruhigen, aber nichts hat funktioniert. Es war mir unfassbar unangenehm und gleichzeitig hatte ich einfach nur Angst.
Ich bin nach Hause. Und ab da war nichts mehr wie vorher.
Ich wollte einfach nur wissen, was mit mir los ist. Also bin ich von Arzt zu Arzt. Immer mit der Hoffnung, dass mir endlich jemand sagt: Das ist es. Das ist der Grund. Aber es kam nichts. Immer wieder dieses Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Bis irgendwann – wirklich erst auf mein Drängen – ein Hormonstatus gemacht wurde.
Und das Ergebnis… hat mir komplett den Boden unter den Füßen weggezogen.
Vorzeitige Wechseljahre. Mit Mitte 20.
Ich weiß noch genau, wie ich da saß und einfach nur gedacht habe: Das kann nicht sein. Das passt nicht zu mir. Mein Kopf hat gerast, meine Gefühle auch. Ich habe nur noch geweint und gleichzeitig versucht irgendwie zu begreifen, was das jetzt bedeutet. Für meinen Körper. Für mein Leben. Für meinen Kinderwunsch.
Und dann kam wieder dieser Satz.
„Nehmen Sie doch die Pille.“
Und in dem Moment war für mich klar: Ich bekomme hier nicht die Antworten, die ich brauche.
Ich war plötzlich auf mich allein gestellt. Auch privat. Mein damaliger Partner konnte damit überhaupt nicht umgehen. Und ich stand da… mit all dem, was da gerade über mich eingebrochen ist, und hatte niemanden, der mich wirklich aufgefangen hat.
Und trotzdem war da dieser Teil in mir, der einfach nicht aufgegeben hat.

Ich habe angefangen zu lesen, zu verstehen, zu hinterfragen. Nicht so ein bisschen nebenbei, sondern wirklich tief. Ich habe mir Wissen angeeignet, ausprobiert, wieder verworfen, neu angefangen. Immer wieder. Und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich meinen Körper besser verstehe als viele der Ärzte, bei denen ich vorher war. Aber es war ein Weg aus Try and Error. Ohne Anleitung. Ohne Sicherheit.
Und dann kam der Kinderwunsch.
Und der hat nochmal alles auf den Kopf gestellt.
Diese Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung… ich glaube, das kann man nur verstehen, wenn man selbst mal an diesem Punkt war. Ich habe gemerkt, wie ich immer wütender auf meinen Körper wurde. Wie ich ihn regelrecht dafür verantwortlich gemacht habe, dass es nicht funktioniert. Und gleichzeitig wusste ich, dass mir das nicht gut tut. Aber diese Enttäuschung… die war einfach da.
Und dann kam dieser Moment, der alles verändert hat.
Nach einer Operation bin ich aufgewacht und habe erfahren, dass mein letzter funktionierender Eierstock entfernt wurde.
Ich kann dir gar nicht beschreiben, wie sich das anfühlt. Es war, als würde jemand einfach alles wegnehmen. Als würde dir jemand sagen: Jetzt ist wirklich Schluss. Der Arzt stand da und hat versucht, mich zu beruhigen. „Auch mit einem Eierstock kann man gut schwanger werden.“ Und ich wusste nur: Ich habe keinen funktionierenden mehr.
In mir ist in diesem Moment etwas komplett zerbrochen.
Ich bin in ein tiefes Loch gefallen. Habe funktioniert, aber innerlich war einfach nur Leere und Schmerz.
Und trotzdem… war da wieder dieser eine Gedanke:
Ich gebe nicht auf.
Unser Weg hat uns dann irgendwann zur Eizellspende geführt. Eine Entscheidung, die Zeit gebraucht hat. Gespräche. Zweifel. Und ganz viel inneres Ankommen. Aber sie hat uns genau dahin geführt, wo wir heute sind.
2020 wurde unser erstes Kind geboren. Und 2022 unsere Zwillinge.
Und manchmal sitze ich da und denke einfach nur… was für ein Weg das war.
Warum ich dir das alles erzähle?
Weil ich genau weiß, wie es sich anfühlt, wenn dein Körper plötzlich Dinge macht, die du nicht verstehst. Wenn du keine klaren Antworten bekommst. Wenn du anfängst, an dir selbst zu zweifeln und dich irgendwie verlierst.
Ich weiß, wie sich dieses „Ich funktioniere, aber ich fühle mich nicht mehr wie ich selbst“ anfühlt.
Und ich weiß heute auch, dass dein Körper nicht gegen dich arbeitet.
Er versucht, dir etwas zu zeigen.
Ich bin nicht hier, um dir zu sagen, dass alles leicht ist. Oder dass es die eine perfekte Lösung gibt.
Ich bin hier, weil ich diesen Weg selbst gegangen bin.
Und weil ich heute Frauen begleite, die genau an diesem Punkt stehen.

Sanft. Ohne Druck. Und vor allem so, dass du dich nicht mehr allein fühlst. Wenn du gerade das Gefühl hast: Das bin genau ich…
Dann bist du hier genau richtig.
Du musst da nicht alleine durch. 💛
